Kommentar

Die Börse blickt voraus

Archivartikel

Rolf Obertreis zum Hoch des Deutschen Aktienindex

Es ist nur auf den ersten Blick eine wundersame Entwicklung. Dass der Deutsche Aktienindex Dax kurz vor Jahresende einen neuen historischen Höchststand verbucht, hat durchaus nachvollziehbare Gründe. Kurzfristig waren das die Einigung auf den Brexit-Vertrag zwischen Brüssel und London kurz vor Toresschluss und die Verständigung auf ein 900 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm in den USA.

Als Treiber für den Rekord wirken auch die angelaufenen Corona-Impfungen in Deutschland, Europa, den USA und anderen Industriestaaten. Aber für die Entwicklung der Aktienkurse gibt es tieferliegende Gründe. Die Börse schaut nicht zurück und auch weniger auf die aktuelle Lage, sondern vor allem auf die künftige Entwicklung. Und die verheißt für 2021 Besserung nach dem Pandemie-Jahr 2020 mit seinen dramatischen Auswirkungen – unter anderem beängstigenden fast 1,8 Millionen Corona-Toten weltweit und der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Lockdowns sollten im neuen Jahr überwunden werden und die Wirtschaft allmählich wieder Fahrt aufnehmen. Unternehmen sollten wieder Gewinne verbuchen, obwohl nicht wenige 2021 werden aufgeben müssen.

Das Vorkrisen-Niveau in der Wirtschaft wird in jedem Fall bei Weitem noch nicht erreicht. Doch befeuert werden die Börsen weiter durch weltweit billionenschwere Konjunkturprogramme und die extrem großzügige Geldpolitik der Zentralbanken, verbunden mit Krisenhilfen in ebenfalls schwindelerregender Höhe.

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