Kommentar

Die Frage nach der Größe hat politische Relevanz

Archivartikel

Steffen Mack zu den unterschiedlichen Einwohnerzahlen

Spielt der SV Waldhof gegen die nordbadische Konkurrenz, singen seine Fans gern: „Karlsruh’, Karlsruh’, wir sch . . .“ Der Rest ist viel zu unfein, um ihn hier wiederzugeben (der Reim endet, kleiner Tipp, mit „zu“). So ausgeprägt wie im Fußball ist die Rivalität zwischen beiden Städten sonst nicht. Aber die Frage, wer hinter Stuttgart die Nummer zwei und wer die Nummer drei im „Ländle“ ist, hat natürlich auch politische Relevanz. Besonders, wenn es um Aufmerksamkeit und vor allem finanzielle Zuwendungen seitens der Landesregierung geht. Daher ist für Mannheim eine gute Nachricht, nun in puncto Größe auch offiziell wieder vor Karlsruhe zu liegen.

Wobei das Stadt/Land-Gefälle bei Zahlen ohnehin ein schlechter Witz ist. Das gibt es ja auch immer wieder bei Corona, wobei es dort wenigstens inhaltlich begründet ist: Die Sieben-Tage-Inzidenz hängt davon ab, auf Basis wie vieler Neuinfizierter sie errechnet wurde. Und manche Fälle aus Mannheim kommen eben erst später in Stuttgart an.

Die Einwohnerzahl muss man aber nicht täglich neu vermelden. Dennoch liegt zwischen den Werten von Stadt (321 261) und Land (309 119) eine Differenz von mehr als 12 000. Als tilge Stuttgart die ganze Schönau aus der Statistik.

Der Grund ist die unterschiedliche Ausgangsbasis, bei der sich die Landesregierung auf den umstrittenen Zensus 2011 stützt. Den hat Mannheim, zusammen mit anderen Großstädten, vor Gericht nicht zu Fall bringen können. Wenigstens hat sich das Stadt/Land-Gefälle bei den Zahlen seither verringert. Sehr unbefriedigend bleibt es dennoch. Und folgenschwer, weil Mannheim so einiges Geld entgeht.

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