Kommentar

Die Karte der Zukunft

Archivartikel

Timo Schmidhuber zur Forderung der Sozialdemokraten

 

Für kürzere Fahrten ein günstigeres Ticket einzuführen, das ist nur gerecht. Der Schritt dürfte dem Nahverkehr zudem Kunden bescheren, die ihn bislang in bestimmten Situationen nicht genutzt haben. Deshalb ist die Forderung der SPD-Fraktion nach einem Kurzstreckenticket gut. Der Knackpunkt bei diesem Thema ist allerdings eine andere Frage: Will der Verkehrsverbund seine Automaten umrüsten, wo er doch eigentlich ohnehin auf „digitale Tickets“ auf dem Smartphone setzt? Oder etwas grundsätzlicher gefragt: Wie schnell soll der digitale Wandel vor sich gehen? Und was ist mit den Menschen, die nicht mitkommen, weil für sie die digitale Welt zu komplex ist oder die nötigen Geräte zu teuer sind?

In Sachen Kurzstreckentickets am Automaten müssen Fakten auf den Tisch. Wie viel würde es genau kosten, die Geräte umzurüsten? Wie sieht die Prognose aus, wie viele Fahrgäste in den nächsten Jahren auf den „eTarif“ umsteigen? Erst dann kann der Gemeinderat entscheiden, ob er sich die Umrüstung leisten will.

Auch wenn wohl keiner seriös sagen kann, wie lange es die Papierfahrkarte tatsächlich noch geben wird – sie ist ein Auslaufmodell. Und Menschen, die sich mit der digitalen Welt bislang noch schwer tun, sollten alles daran setzen, sich mit ihr vertraut zu machen, etwa durch einen Smartphone-Kurs an der Volkshochschule. Sonst droht ihnen der Ausschluss aus vielen Bereichen des Alltags.

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