Kommentar

Die Katze im Sack

Stefan Proetel zur Haltung des Einzelhandels

Die großen Zufahrtsstraßen von der Peripherie in Richtung Stadtmitte, der Ring, aber auch das Gitterkreuz aus Straßen, das die Innenstadt durchzieht: Das sind die Lebensadern, die dem Einzelhandel im Zentrum so wichtig sind. Die Mannheimer City profitiert von einer vergleichsweise guten Anbindung für motorisierte Kunden. Die wollen die Händler nicht aufs Spiel setzen. Das ist im Grundsatz verständlich. Genauso nachvollziehbar ist die Skepsis, die der Handel äußert, wenn wie jetzt die CDU Pläne für „Die neue Innenstadt“ präsentiert. Insofern ist es auch keine Überraschung, wenn er vor einer Entscheidung über den CDU-Antrag vehement eine Verkehrssimulation von der Stadt fordert. Die ist in der Tat unabdingbar. Niemand will und soll die Katze im Sack kaufen. Was nutzen zusätzliche Fußgängerflächen, wenn auf dem Ring der Verkehr überhaupt nicht mehr fließt? Das tut er an einigen Punkten und zu bestimmten Zeiten jetzt schon nicht.

Die Händler sind mit ihrer Haltung keine Verweigerer. Im Gegenteil: Sie formulieren ja selbst die Notwendigkeit, die Aufenthaltsqualität in der City über ein Ausdehnen der Fußgängerzone zu erhöhen. Das heißt: Sie geben grünes Licht für die Pläne, wenn die Verkehrsexperten zu dem Ergebnis kommen, dass der Ring noch Kapazitäten hat. Das darf die Stadt als wichtiges Signal werten. Und trotzdem ist es keine allzu steile These: Handel, Anwohner und autofahrende Kunden werden in Zukunft noch andere Ideen und Anträge verkraften müssen. Weitere Sperrungen, eine City-Maut vielleicht oder ein Fahrradparkhaus in der Innenstadt. Schon jetzt finden Radler kaum geeignete Abstell- und Abschließmöglichkeiten. Das ist einer Stadt, die den Ausbau des Radverkehrs vorantreibt, nicht würdig.

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