Kommentar

Die kleinen Riesen

Wolfgang Mulke über das veraltete Kartellrecht

 

In nur fünf Jahren ist der Busreiseanbieter Flixbus praktisch zum Monopolisten geworden. Der Aufstieg wäre ohne die Digitalisierung unmöglich gewesen. Sie erst ermöglicht die Bildung sogenannter Plattformen. Flixbus selbst organisiert, vereinfacht gesagt, nur das Geschäft anderer Busunternehmen. Das Prinzip ist bekannt: AirBnb bringt Vermieter mit Mietern zusammen, Uber Fahrer mit Kunden, Amazon Händler mit Käufern.

Gemeinsam ist den Plattformen, dass sie eine große Marktmacht entwickeln können, im Kern aber nur geringe Umsätze erwirtschaften. Das Problem: Die Kartellbehörden haben bei Übernahmen dieser Firmen kaum eine Kontrollmöglichkeit in Hinblick auf das Entstehen von Monopolen. Denn die für die Fusionskontrolle geltenden Umsatzschwellen sind zu hoch für diese Geschäftsmodelle. Das Kartellrecht muss daher geändert werden. Die Marktmacht eines Unternehmens ist heute nicht mehr nur eine Frage der Größe, sondern etwa auch des Zugangs Dritter zu den Plattformen.

Vermutlich ist die Entwicklung hin zu Plattformanbietern noch nicht am Ende. Den Verbrauchern bringt es viele Vorteile, von einer größeren Auswahl bis hin zu günstigen Preisen. Doch wenn das Wettbewerbsrecht nicht Schritt hält und neue Monopolisten entstehen, könnten die Vorteile schnell verschwinden.

Zum Thema