Kommentar

Die Kräfte bündeln

Jürgen Berger zur Situation der DFB-Elf

 

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kämpft vor dem WM-Turnier nicht nur mit ihrer Form, sondern auch immer noch mit den Erdogan-Verfehlungen von Ilkay Gündogan und Mesut Özil – das haben die Pfiffe bei der Generalprobe in Leverkusen sowie die anschließenden Reaktionen der Nationalspieler untermauert.

Die DFB-Führung ist mit ihrem bisherigen Krisenmanagement gescheitert und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Aufarbeitung des Vorfalls – etwa durch ein Treffen des weiterhin öffentlich schweigenden Özil und Gündogan mit Fanvertretern – nicht aktiv genug angegangen zu sein. So bekommt man die Affäre nicht vom Tisch.

Dafür appellierten Teamkollegen wie Mario Gomez an das Gemeinschaftsgefühl – in der Hoffnung auf einen rechtzeitigen Schulterschluss mit den Anhängern. Nicht nur dem Routinier ist bewusst, dass so kurz vor dem WM-Auftakt gegen unangenehme Mexikaner die Bündelung aller Kräfte nötig sein wird, um ein erfolgreiches Turnier zu spielen – und dafür braucht die Mannschaft die Kreativität von Özil und Gündogan.

Bundestrainer Joachim Löw ist erfahren genug, um jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bisher war es eine große Stärke seiner Mannschaften, bereit zu sein, wenn es darauf ankommt.

Als Trumpfkarte könnte sich dabei diesmal Marco Reus erweisen. Der Dortmunder sprühte im letzten Test gegen Saudi-Arabien vor Spielfreude und bringt die dringend nötige Leichtigkeit ins Team.