Kommentar

Die Nachbarn sind gefragt

Archivartikel

Steffen Mack zum Schutz von Älteren vor Betrügern

Nahezu jeden zweiten Tag steht im Polizeibericht, wie ältere Menschen mit dem „Enkeltrick“ hereingelegt wurden. Man belügt sie oder verspricht irgendwas, um an ihr Geld zu kommen. Betrug und Diebstahl, ganz klar strafbar. Aber es gibt auch eine große Grauzone, über die man weniger hört. Hier werden tatsächlich Leistungen erbracht und Gegenstände verkauft. Allerdings zu völlig überzogenen Preisen oder ohne, dass etwa eine Reparatur nötig wäre. Moralisch ist das keinen Deut besser. Und für die Opfer ähnlich demütigend. Viele schweigen aus Scham.

Sich nachträglich zu wehren, fällt auch nicht leicht. Solche Abzocke kann justiziabel sein (Wucher), muss es aber nicht. Und wollen die Betroffenen ihr Recht einklagen, müssen sie Gutachten einholen, die Gerichtskosten schnell in die Höhe treiben.

Man sollte nicht glauben, auf so etwas fielen nur verwirrte Senioren rein. Die Maschen der Betrüger sind vielfältig und raffiniert. Die haben es indes vor allem auf ältere Menschen abgesehen, weil sie hier leichteres Spiel wähnen. Viele Rentner sind einsam, für Nettigkeiten empfänglich, tun sich mit der Angebotswelt im Internet schwer, fühlen sich mit der Instandhaltung ihres Heims überfordert.

Da hilft vor allem eines: nachbarschaftlicher Zusammenhalt. Wenn Ältere in ihrem oder im Haus nebenan jemanden haben, den sie um Rat fragen können, der bei Bedarf auch mal nach ihnen sieht, ist schon viel geholfen. Nicht zur zum Schutz vor Betrügern – sondern auch zum Wohle unserer Gesellschaft.

Zum Thema