Kommentar

Die Nagelprobe

Peter W. Ragge zur Suche nach Ersatzspielstätten

Nach der Generalsanierung wird Mannheim wieder ein ganz tolles Nationaltheater haben – doch für wen? Die große Sorge ist nämlich, dass während der vier (!) Jahre dauernden Schließung die Zuschauer verloren gehen. Schon bei der viel kürzeren Schließungsphase 1992/94 ging das Stammpublikum um 30 Prozent zurück. Das kann sich das Haus heute eigentlich nicht mehr leisten. Doch ob man die immerhin 10 000 Abonnenten hält, hängt stark davon ab, was sie geboten bekommen – und wo.

Der Pfalzbau wäre da für die Oper nicht nur ideal, sondern zwingend notwendig, um wenigstens einen Teil des Repertoires beibehalten zu können. Er hat kein Ensemble, dort würde also niemand arbeitslos, wenn Mannheim häufig gastiert. Ob die laufenden Verhandlungen mit Ludwigshafen gelingen, wird zur Nagelprobe der oft beschworenen regionalen Zusammenarbeit. Natürlich kann Mannheim nicht das Ludwigshafener Theater einfach in Gutsherrenart übernehmen. Aber warum sieht man die Probleme der Mannheimer Sanierungsphase nicht als Chance, dauerhaft eine enge, beide Städte langfristig kostensparende Kooperation zu begründen? Das wäre gelebte Metropolregion! Ein teurer provisorischer Neubau ist, solange es bessere Alternativen vor der Haustür gäbe, dem Steuerzahler nicht vermittelbar.

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