Kommentar

Die Not ist groß

Archivartikel

Bertram Bähr zu den Maßnahmen gegen Lehrermangel

Nein, Baden-Württemberg ist nicht Berlin. In der Bundeshauptstadt sorgte vor drei Wochen die Einstellungspraxis der Bildungssenatorin für Schlagzeilen. Von den 1240 neuen Grundschullehrern erfüllen nur 362 die Anforderungen an ausgebildete Elementarpädagogen. Mehr als zwei Drittel haben diese Qualifikation nicht. In Baden-Württemberg sieht es zum Glück anders aus: Die Allermeisten der einzustellenden Pädagogen sind auch tatsächlich Pädagogen.

Dennoch enthält das Stuttgarter „Maßnahmenpaket gegen Lehrermangel“ durchaus Elemente, die sprach- und ratlos machen. Mehr als 500 Deputate sind für „sonstige geeignete Personen“ vorgesehen. Und zu diesen gehören auch im vergleichsweise gut versorgten Mannheimer Schulamtsbezirk Handwerker wie Friseure, Schreiner oder Maler, die vornehmlich in Vorbereitungsklassen für Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingesetzt werden könnten.

Keine Frage: Handwerker leisten hervorragende Arbeit und sind für die Wirtschaft ausgesprochen wichtig. Aber sind sie als Lehrer wirklich geeignet? Käme umgekehrt irgendwer auf die Idee, ausgebildete Pädagogen in Friseursalons oder Malerfirmen zu schicken? Die Not muss groß sein, wenn der Staat zu solchen Maßnahmen greift.

 
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