Kommentar

Die Prüfung

Marc Stevermüer zur Rückkehr von Zinédine Zidane

Die inszenierte Präsentation fiel erwartungsgemäß pompös aus. So ist das eben bei Real Madrid. Erst recht, wenn es um Zinédine Zidane geht. Der Franzose gewann mit dem spanischen Traditionsverein dreimal nacheinander die Champions League – allein das verschaffte ihm nicht nur einen Helden-, sondern einen Legendenstatus, weshalb der kriselnde Club nun große Erwartungen in ihn setzt.

Fest steht: Mit seinem überraschenden Rückzug im vergangenen Sommer machte Zidane alles richtig. Er sah das Unheil des in die Jahre gekommenen und zwangsläufig auch vom Erfolg gesättigten Kaders kommen – und muss nun den rasanten Absturz nicht verantworten, sondern kommt als Retter heim. Zumindest vorerst. Denn klar ist auch: Die zweite Real-Mission des charismatischen Franzosen wird eine ganz andere sein als die erste – was die ganze Sache so ungemein spannend macht.

Diesmal geht es nicht darum, das Starensemble bei Laune zu halten und aus einer Ansammlung von Weltklassespielern eine harmonierende Einheit zu formen, die in der Defensive stabil steht und im Angriff einen Cristiano Ronaldo hat. Von nun an muss Zidane zeigen, dass er auch einen Umbruch vollziehen, unangenehme Entscheidungen gegenüber verdienten Spielern treffen, einen radikalen Neuaufbau einleiten und eine Mannschaft nach seinen ganz eigenen Vorstellungen konzipieren kann. Mit Geld allein – so wie in früheren Jahren – wird das nicht möglich sein, denn längst mischen im Wettbieten um Weltstars auch die englischen Vereine kräftig mit.

Kurzum: Der Weg zurück auf Europas Thron könnte angesichts der Vielzahl an Problemen und Prüfungen ein wenig länger dauern. Doch sollte Zidane auch diese Herausforderungen meistern, gehört er endgültig zu den größten Trainern der Welt.

 
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