Kommentar

Die Quittung

Peter Reinhardt sieht die Südwest-SPD durch die Kampfkandidatur um den Landesvorsitz in einer existenziellen Krise

Die SPD in Baden-Württemberg hangelt sich schon seit der drastischen Schlappe bei der Landtagswahl 2016 am Abgrund entlang. Danach ging die Parteiführung an die wortgewaltige Gewerkschafterin Leni Breymaier über. Aber mit ihr wurde es nicht besser. Die Grabenkriege gingen weiter, die Umfragen wurden noch schlechter. Vor diesem Hintergrund ist die Kampfkandidatur des Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci nur zu begrüßen. So werden in einem offenen Wettbewerb die Konflikte um Richtung und Personen ausgetragen. Im Grunde hatte die Parteilinke Breymaier die Gegenkandidatur durch die Berufung der ebenfalls zum linken Flügel gehörenden Luisa Boos zur Generalsekretärin schon vor zwei Jahren angelegt.

Castelluccis Aussichten sind so schlecht nicht, auch wenn er nach außen nicht so bekannt ist. Es hat sich in der Partei viel Frust über das Duo Breymaier/Boos angesammelt. Viel zu lange dauert die Aufarbeitung der Wahlschlappe von 2016. Nach vorne weisende Initiativen gab es seither wenige. Schwerer einzuschätzen sind allerdings die Mehrheitsverhältnisse, wenn die Mitglieder entscheiden. Die Sprache der Basis kann Breymaier besser.

Sollte Castellucci gewinnen, wird sein Start nicht einfach. Er müsste die zerstrittene Partei von Berlin aus führen. Die Flügel zu einen und den deprimierten Mitgliedern wieder Mut einzuhauchen, erfordert Präsenz vor Ort. Viel hängt für Castelluccis Siegchancen davon ab, wen er als Generalsekretär präsentieren kann. Schon weil die nächste große Bewährungsprobe die Landtagswahl 2021 ist, müsste dies jemand aus der Landtagsfraktion sein.