Kommentar

Die Rückkehr der Betrüger

Archivartikel

Alexander Müller zur Begnadigung der Rusada

Es ist ein fieser Schlag mitten ins Gesicht aller sauberer Athleten. Das finale Eingeständnis, dass die Riege der Sportfunktionäre im Kampf gegen Doping nur Lippenbekenntnisse herunterbetet. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ist eingeknickt und steht vor der Begnadigung ihrer seit 2015 ausgeschlossenen russischen Unterabteilung Rusada. Die Betrüger, die hinter dem in Moskau orchestrierten Doping-System stehen, dürfen zurückkehren – ohne echte Reue, ohne öffentliche Entschuldigung, ohne glaubhafte Anstrengungen zur Besserung. Was für ein Skandal!

Ein Skandal, in dem auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine äußerst unappetitliche Rolle spielt. Erst trauten sich Präsident Thomas Bach und seine Mitstreiter in Lausanne nicht, russische Athleten komplett von den Winterspielen 2018 in Südkorea zu verbannen und ließen den Start als „Olympische Athleten“ zu, in den vergangenen Monaten nahm der Druck vom IOC auf die Wada, die Rusada wieder aufzunehmen, immer weiter zu. Jetzt reichen den Russen einige wachsweiche Zugeständnisse, um ihre Leichtathleten oder Paralympier bald wieder zu den großen Veranstaltungen schicken zu dürfen. Als habe es den McLaren-Report nie gegeben. „Staats-Doping lohnt sich. Man muss sich nicht mal entschuldigen“, schreibt die „FAZ“. Das stimmt – und es ist so bitter.

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