Kommentar

Die Tränen der Romantiker

Alexander Müller zum Ärger über den Kovac-Wechsel

 

Vermeintliche Märchen enden im modernen Fußball immer mit dem harten Aufprall in der Realität. Der kleine Provinzclub Leicester City wurde 2016 sensationell englischer Meister – und entließ Trainer Claudio Ranieri neun Monate später wegen Erfolglosigkeit. Niko Kovac führte Eintracht Frankfurt in dieser Spielzeit heraus aus dem angeblich für diesen Verein zementierten Mittelmaß – und reißt mit seinem kaltschnäuzig vollzogenen Wechsel zum FC Bayern wahrscheinlich fast alles wieder ein, was er vorher mühsam aufgebaut hat. Da kullern die Tränen der Fußball-Romantiker.

Die Causa Kovac ist in so mancherlei Hinsicht äußerst aufschlussreich. Zunächst bekommen zurzeit die Frankfurter Fans eine bittere Lektion darin, dass man es nicht zu Ernst nehmen sollte, wenn jemand über moralische Maßstäbe referiert, wie es Kovac immer wieder öffentlich getan hat. Die Wahrheit ist: Es geht im großen Fußball immer nur um Geld und Karriere. Man sollte das einfach zugeben und nicht so tun, als sei die Bundesliga ein Hort der Tugend. Kovac, der FC Bayern und zu Teilen auch Eintracht-Boss Fredi Bobic haben stattdessen versucht, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen – und das hassen eingefleischte Fans völlig zurecht.

Bobic ist schon so lange im Geschäft, dass er wissen müsste, mit der Behauptung, die Frankfurter wären vom Bayern-Interesse an Kovac überrascht worden, nicht durchkommen zu können. Seit Wochen war klar, dass der Kroate beim Rekordmeister in der engeren Auswahl stand.

Komplett unglaubwürdig

Den Bärenanteil am entstandenen Schaden haben allerdings Kovac und die Bayern selbst. Ihre Versionen über die Umstände des angeblich innerhalb nur innerhalb eines Tages vollzogenen Wechsels klangen nicht nur komplett unglaubwürdig, sondern wirkten sogar noch nicht einmal aufeinander abgestimmt. „Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft“, hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß arrogant auf Nachfragen geäußert, wann es zum ersten Mal Kontakt zu Kovac gab. In diesem Themenbereich kennt er sich ja vortrefflich aus.