Kommentar

Die Tücken des Unterhauses

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Zweitligastart des Hamburger SV

Eine gleichermaßen spektakuläre wie kreative Plakataktion des Ligarivalen SV Sandhausen zeigte dem Hamburger SV schon einmal, was ihn in der kommenden Saison erwartet. Am Hauptbahnhof der Hansestadt ließen die Hardtwälder Poster mit der Wegbeschreibung zu ihrem Stadion aufhängen. Ein nicht ganz billiger, aber gelungener Spaß, der dem HSV noch einmal vor Augen führen sollte, wie schwer die neue Saison für ihn wird. Denn gegen den ruhmreichen Traditionsverein aus dem Norden wird jeder Gegner an seine Grenzen und noch darüber hinaus gehen – eine völlig unbekannte Erfahrung für die Hamburger, die auf ungewohntem Terrain plötzlich immer Favorit sind und ihr neues Zuhause mit all seinen Unwägbarkeiten und Stolperfallen schnell annehmen müssen.

Kaum Zweitliga-Erfahrung

Ob es da so clever war, im Gegensatz zum Mitabsteiger 1. FC Köln einen Kader ohne große Zweitligaerfahrung zusammenzustellen, wird sich schnell zeigen. Es ist zumindest ein Risiko, das der Verein unnötig eingegangen ist. Stattdessen sollen es technisch beschlagene Spieler wie Douglas Santos und Lewis Holtby oder Diva Aaron Hunt richten. Es mag sein, dass jeder aus diesem Trio im starken Endspurt der vergangenen Saison zu den Besten gehörte. Das darf aber doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie über eine lange Zeit – teilweise sogar über Jahre – in erster Linie ein nicht unerheblicher Teil des Hamburger Problems waren und den dramatischen Niedergang des HSV maßgeblich mitzuverantworten haben.

Gerade Holtby und Hunt riefen – wie in der vergangenen Saison – nur dann ihr Potenzial ab, als es wirklich eng wurde und der Absturz kaum noch zu vermeiden war. Das spricht nicht gerade für einen tadellosen Charakter, eine astreine Einstellung und totale Identifikation – doch genau diese drei Dinge sind mehr als alles andere in der 2. Liga gefragt.

Das werden die Hanseaten schnell zu spüren bekommen. Nach dem lösbaren Heimauftakt heute vor prächtiger Kulisse gegen runderneuerte Kieler steht die erste unangenehme, ja sogar fiese Aufgabe an, die sinnbildlich für die 2. Liga steht: Es geht in den Hardtwald zum SV Sandhausen.