Kommentar

Die Zähne gezogen

Archivartikel

Gerhard Kneier zum Spitzenkandidaten der CDU für die Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz: Christoph Baldauf lässt Widersacher Marlon Bröhr keine Chance

Eines ist Marlon Bröhr gelungen: Mit seiner recht kurzfristig verkündeten Kandidatur als CDU-Spitzenkandidat und dem Antrag aus seinem Rhein-Hunsrück-Kreis auf Urabstimmung hat er die Partei gehörig aufgewühlt und in Unruhe versetzt. Doch auf dem Parteitag in Neustadt wurden dem überaus selbstbewussten Rebellen schnell die Zähne gezogen. Die CDU Rheinland-Pfalz bleibt solide und kürt den bewährten Fraktionschef Christian Baldauf mit sehr großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2021. Mit gut 80 Prozent in einer Kampfabstimmung hat der Frankenthaler Rechtsanwalt eine solide Basis für das Duell mit der populären SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Die Landespartei steht hinter dem 52-Jährigen, dem die CDU-Mitglieder noch immer hoch anrechnen, dass er 2010 zugunsten der vermeintlich aussichtsreicheren Julia Klöckner auf Landesvorsitz und Spitzenkandidatur verzichtete. Die Delegierten ließen sich auch nicht auf das Glatteis eines Mitgliederentscheids führen. Schließlich wirkt dieses Verfahren bei der Wahl des SPD-Bundesvorsitzenden auch nicht gerade einladend, und die Querelen in der CDU-Bundespartei nach solchen Forderungen von Anhängern des ehrgeizigen Friedrich Merz schaden mehr, als sie nützen würden.

Bröhr hat nach seiner vernichtenden Niederlage schnell versucht, die Kurve zu kriegen, und ausgerufen, jetzt sei er in Baldaufs Team. Das klingt honorig, aber der neue Spitzenkandidat wird sich gewiss überlegen, ob der notorische Störenfried aus dem Hunsrück wirklich eine Verstärkung für seine Wahlkampfmannschaft ist.