Kommentar

Die Zukunft ist jetzt

Archivartikel

Christian Rotter zum Triumph der Kansas City Chiefs

Patrick Mahomes schien entzaubert. Bis auf einen Touchdownlauf war dem Quarterback der Kansas City Chiefs im Super Bowl wenig bis nichts gelungen. Zweimal hatte die Verteidigung der San Francisco 49ers einen seiner Pässe abgefangen. Die Chiefs lagen sieben Minuten vor Schluss mit 10:20 zurück, um nach einer Aufholjagd doch noch zu jubeln.

Zu verdanken hatte Kansas City den Triumph in erster Linie Mahomes, aber auch dem Gegner. Die 49ers verloren nach der Führung den Mut. Sie spielten nur noch, um nicht mehr zu verlieren – nicht, um gewinnen. Auf der anderen Seite stand ein echter Anführer, der trotz einer bis dahin bescheidenen Leistung die Nerven bewahrte und mit seinen vielfältigen Qualitäten für eine Zeitenwende im American Football steht: Mahomes kann werfen; er kann seine Running Backs einsetzen; er ist mobil, kann sich Zeit erkaufen und notfalls den Ball selbst die nötigen Yards zu einem Touchdown tragen.

Der erst 24 Jahre alte Mahomes verkörpert mit dem 23-jährigen Lamar Jackson von den Baltimore Ravens, der zum wertvollsten Spieler der regulären NFL-Saison gewählt wurde, die neue Quarterback-Generation. Die Zeiten von Generälen, die ihre Offensive nur wie Schachfiguren auf dem Spielfeld verschieben, gehören der Vergangenheit an.

In der NFL hat die Zukunft längst begonnen. Mahomes und Jackson werden nicht die einzigen Quarterbacks bleiben, bei denen das Gesamtpaket stimmt. Joe Burrow und Trevor Lawrence, die sich gerade im College-Finale duellierten, werden nachrücken und die Plätze von Spielmachern der alten Schule einnehmen.