Kommentar

Dinos am Start

Jan Kotulla zum dringenden Reformbedarf der DTM

Was haben Airbus A 380, Boeings Jumbo Jet und DTM-Autos gemeinsam? Sie gehören zu einer aussterbenden Art. Technisch am Limit, aber irgendwie aus der Zeit gefallen. In allen Fällen beschleunigt die Corona-Pandemie notwendige Veränderungen. Bei der DTM war der Reformbedarf spätestens seit dem Ausstieg von Antreiber Mercedes 2018 unübersehbar. Die Veranstalter mit dem Ex-Formel-1-Piloten Gerhard Berger an der Spitze haben seitdem einiges versucht, doch es wird immer deutlicher, dass das Drehen an ein paar Stellschrauben nicht reichen wird, um die Tourenwagenserie zu retten.

Als Sackgasse entpuppte sich beispielsweise die angepriesene Vereinheitlichung der Reglements der japanischen Super GT und der DTM. Die Unterschiede beider Serien sind so gravierend, dass die Hersteller aus Fernost sich lieber weiter auf ihren Heimatmarkt konzentrierten, als sich mit der europäischen Konkurrenz zu messen. Zumal die Autos nur äußerlich den Serienmodellen der Premium-Autobauer ähneln. Unter der Karbonhaut steckt teure Technik, trotz aller Versuche, mit Standardteilen und langlebigen Komponenten zu arbeiten.

Stattdessen wird – erst jetzt – laut darüber nachgedacht, auf die wesentlich kostengünstigeren GT3-Boliden zu setzen. Die zeigen in der ADAC GT Masters Rennserie, wie packender Motorsport aussieht. Gleich acht Hersteller stellen sich dem Kampf und das zu deutlich geringeren Kosten. Während man in der DTM mit rund zwei Millionen für ein Auto kalkulieren muss, sind es im GT Masters „lediglich“ 400 000 bis 700 000 Euro. So lässt sich auch erklären, weshalb dort so viele Privat- und Kundensportteams am Start sind. Genau diese will Berger aber in der DTM nicht sehen. Der Österreicher setzt auf Profis. Die sind aber auch im GT Masters unterwegs. Die ITR-Verantwortlichen sollten auch bei diesem Aspekt von ihrem hohen Ross heruntersteigen, sonst drohen die oft als „Königsklasse mit Dach“ titulierten Boliden, nach 20 Jahren im Museum zu verschwinden.

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