Kommentar

Diplomatie geht anders

Archivartikel

Manfred Loimeier verurteilt das aggressive Vorgehen des indischen Premierministers Narendra Modi im Fall Kaschmir

So fern Indien und Pakistan aus deutscher Sicht sein mögen, so nah könnte ein zugespitzter Konflikt hierzulande Folgen zeigen.

Indiens Premierminister Narendra Modi zielt mit der Aufhebung des Sonderstatus von Kaschmir vor allem auf die innenpolitische Wirkung. Zu Anfang dieses Jahres lag die Zahl der Arbeitslosen in Indien auf dem höchsten Stand seit 45 Jahren. Dass Modi bei den Parlamentswahlen im April und Mai dieses Jahres dennoch wiedergewählt wurde, hat er seinem nationalistischen Programm zu verdanken – auch Indien soll wieder groß und möglichst Weltmacht werden, soll sich gegen das immer stärker werdende China behaupten und an Einfluss in Südostasien gewinnen. Dass er die Wahlen geradezu triumphierend gewann, verleitet ihn nun natürlich dazu, seine Position der Stärke weiter auszuspielen und seine Wählerschaft fester an sich zu binden.

Das Positive daran: Auf einen Krieg, auf einen Atomkrieg gar, werden es weder Indien noch Pakistan ankommen lassen. Das Negative: Die militante Rhetorik aus Indiens Hauptstadt ist Zunder für Islamisten in Pakistan, die von dort aus Anschläge nicht nur im indischen Teil der Kaschmirregion verüben, sondern solche auch international koordinieren. Die Zurückhaltung des Westens im Kaschmirkonflikt fördert zudem den Eindruck, dass der Westen aufseiten Indiens stehe. Dadurch aber bestätigt Europa sich als Zielscheibe islamistischer Attentäter.

Stattdessen müssten die Vereinten Nationen und auch die Europäische Union auf eine friedliche Lösung im Kaschmirkonflikt dringen und Premierminister Modi in die Schranken weisen. Es würde Europas Glaubwürdigkeit guttun.

 
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