Kommentar

Doppelt beschämend

Frank Schumann zum Wohneigentum in Deutschland

Es ist eine beschämende Bilanz: Die Zahl junger Menschen, die sich ein eigenes Heim leisten können, sinkt kontinuierlich. Und das, nachdem Deutschland das wirtschaftlich erfolgreichste Jahrzehnt seiner Geschichte mit entsprechend kräftigen Reallohnsteigerungen hinter sich hat. Gleichzeitig lagen die Zinsen fast ebenso lange auf historisch niedrigem Niveau, was gerade Immobilienkäufern zugutekommt. Wann, wenn nicht jetzt, sollen sich junge Familien die eigenen vier Wände leisten können?

Die bittere Erkenntnis lautet ganz offensichtlich, dass es großen Teilen der Bevölkerung verwehrt bleibt, eigenes Vermögen zu bilden. Denn die Dekade des Aufschwungs hat auch die Immobilienpreise in ungeahnte Höhen getrieben, bei denen kapitalkräftige Investoren mithalten konnten, viele Familien der Mittelschicht aber nicht. Wie sozialverträglich diese Entwicklung ist, wird sich zeigen, wenn die heutige Generation in Rente geht. Die eigene Immobilie kann ein wichtiger Baustein zur Absicherung im Alter sein. Die Politik hat sich aus der Förderung von Wohneigentum allerdings komplett verabschiedet, was umso schlimmer ist, als das staatliche Rentenniveau kontinuierlich sinken wird. Auch dies ist ein beschämender Zustand.