Kommentar

Doppelt ungerecht

Archivartikel

Peter Reinhardt bezweifelt den Sinn der Diensträder

Inzwischen fördern viele Unternehmen den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad mit Leasingangeboten. Man schmückt sich als umweltfreundlicher Arbeitgeber und bringt die Gesundheit der Mitarbeiter voran. Über eine Gehaltsumwandlung sparen sie Steuern und Sozialabgaben und dürfen das Rad dann auch privat nutzen. Ähnlich ködern Firmen besonders begehrte Fachkräfte, denen Dienstautos oft auch privat zur Verfügung stehen. Gerne unterschlagen wird dabei der Pferdefuß, dass durch gesparte Rentenbeiträge später die Altersversorgung sinkt. Dass Radförderung politisch gerade besonders wertvoll ist, weiß auch Verkehrsminister Winfried Hermann.

Allerdings hat der Grüne trotz langer Vorbereitung ein bürokratisches Leasing-Monstrum mit unabsehbaren Kosten vorgelegt. Im öffentlichen Dienst sperren sich die Gewerkschaften vor allem wegen der negativen Folgen für die Renten. Deshalb muss Hermann ausgerechnet die im Schnitt schlechter verdienenden Angestellten ganz ausschließen. Und bei den Beamten rechnet sich das Leasing halt nicht so gut, weil die keine einkommensabhängigen Sozialbeiträge bezahlen. Aus einem wünschenswerten ökologischen Vorzeigeprojekt wird so eine doppelte Ungerechtigkeit, die am ehesten noch gut verdienenden Beamten finanzielle Vorteile bringt. Da soll es viele Grünen-Wähler geben.