Kommentar

Dreist bis unverschämt

Alexander Müller zum Vorschlag von Herbert Hainer

Ein Abo-Meister aus München, die immergleichen Aspiranten auf einen Platz in der Champions League, eingefahrene Verhältnisse, wohin man blickt. Der deutsche Profifußball diskutiert in diesen Tagen wieder einmal ausgiebig die Frage der Langeweile und wie man diese aufbrechen könnte. Über eine gerechtere Verteilung der Fernsehgelder zum Beispiel, die zumindest wieder für ein bisschen mehr Chancengleichheit und einen spannenderen Wettbewerb sorgen könnte.

In diesem Umfeld ist der Vorschlag von Bayern-Präsident Herbert Hainer, künftig auch zweite Mannschaften in die 2. Liga aufsteigen zu lassen, mindestens dreist. Eher unverschämt. Es gibt genau 36 Startplätze in den beiden höchsten Spielklassen, der durch Emporkömmlinge wie RB Leipzig verschärfte Verdrängungskampf sorgt schon jetzt dafür, dass große Traditionsvereine wie 1860 München, Kaiserslautern, Rostock, Duisburg oder der SV Waldhof in der chronisch unterfinanzierten 3. Liga nach Wegen zum Überleben suchen müssen. Eine Etage darunter, bei ambitionierten Regionalligisten wie RW Essen, sieht es noch viel übler aus.

Wenn jetzt auch noch die Bayern, vielleicht Dortmund oder Leipzig, mit ihren quasi unerschöpflichen Millionen-Einnahmen aus der Champions League versuchen dürften, ihre Zweitvertretungen in der 2. Liga zu platzieren, wäre das ein weiterer Sargnagel für das labile Gleichgewicht im deutschen Spitzenfußball.

Genau der gegenteilige Ansatz, wie er etwa in England praktiziert wird, wäre wünschenswert. Dort blockieren die zweiten Mannschaften der Proficlubs keine Plätze in der 3. und 4. Liga, sondern tragen einen eigenen Wettbewerb aus. So etwas ist in der Welt eines Herbert Hainer, der in seinem Tunnelblick auf die eigenen Vereinsinteressen das große Ganze völlig aus den Augen zu verloren haben scheint, aber natürlich keine denkbare Option.

Zum Thema