Kommentar

Druck wächst

Archivartikel

Heike Rentsch über die Entfristung bei der Post

 

In zwei Jahren nicht mehr als 20 Krankheitstage anhäufen, in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für die Touren brauchen als vorgesehen – um einen befristeten Vertrag entfristet zu bekommen, müssen Angestellte der Deutschen Post einen strikten Kriterienkatalog erfüllen, wie nun bekannt wurde.

Grundsätzlich wird solch ein Vorgehen in vielen Branchen praktiziert. Denn: Ist ein Arbeitnehmer schon während der Befristung oft krank, stellt sich die Frage, ob er der Belastung durch den Job jahrzehntelang gewachsen sein wird. Auch Arbeitgeber brauchen Verlässlichkeit. Zudem wäre der Aufschrei groß, wenn Postsendungen zu oft verspätet im Briefkasten landen, weil der Zusteller häufig krank ist und kein Ersatz gefunden werden kann.

Allerdings mutet so ein Vorgehen gerade bei der Deutschen Post fast zynisch an. Schon seit Jahren klagen Brief- und Paketzusteller unter zunehmender Arbeitsbelastung, die mit gesundheitlichen Problemen einhergeht. Der Zeitdruck werde immer größer, das Pensum sei oft nicht zu schaffen. Die Gründe dafür seien die Größe der Zustellbezirke sowie fehlendes Personal. In vielen Fällen sind die Zusteller zudem schuldlos daran, wenn Touren länger brauchen. Oft dauert es, bis ihnen die Haustür geöffnet wird, Verkehrsprobleme, Wetter – alles Faktoren, die zeitlich schwer einzuschätzen sind.

Die Gefahr beim Vorgehen der Post besteht darin, dass sich Mitarbeiter eher krank zur Arbeit schleppen als sich auszukurieren. Besonders, da Menschen mit befristeten Verträgen meist alles dafür tun, damit dieser entfristet wird. Denn auch Mitarbeiter brauchen Verlässlichkeit – und die gibt es mit Befristungen eben nur befristet. Anstatt für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen, wird so nur der Druck auf sie erhöht. Und damit ein Stück weit die Fürsorgepflicht gegenüber den Angestellten vernachlässigt.