Kommentar

Dünne Decke

Für die Grünen steht bei der OB-Wahl in Stuttgart viel auf dem Spiel. Mit Fritz Kuhn konnten sie 2012 erstmals den Chefsessel in einer deutschen Landeshauptstadt erobern. Die Verteidigung des prestigeträchtigen Amtes steht bisher allerdings unter keinem guten Stern. Kuhn hat mit seinem unerwarteten Verzicht auf eine zweite Amtszeit seine Partei auf dem falschen Fuß erwischt. Nun nimmt sich mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras auch noch die Bewerberin mit den größten Chancen selbst aus dem Spiel. Mit Cem Özdemir hat ein weiterer Grünen-Promi bereits abgewinkt. Eigentlich steht der OB der Landeshauptstadt in der Ämterhierarchie über den Landesministern. Inzwischen machen Bewerber mit besten Referenzen aber einen Bogen um das Amt. Die Personaldecke bei den Grünen ist dünn.

Das Problem zeigt sich auch bei der CDU, die in Stuttgart jahrzehntelang das Stadtoberhaupt stellte. 2020 ist kein aussichtsreicher Bewerber in Sicht, hinter dem sich die Partei geschlossen versammelt. Das wäre notwendig, um beim Wähler verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Und für Susanne Eisenmann, die CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im Frühjahr 2021, wäre der Sieg eines Parteifreundes in ihrer Heimatstadt ein wichtiger Prestigeerfolg.

Für unabhängige Bewerber ist die Eroberung einer Großstadt kaum möglich. Weil der Aufwand so groß ist, haben Kandidaten von Grünen und CDU einen Startvorsprung. SPD-Mann Martin Körner kann da nur mitspielen, wenn er Unterstützung aus kleineren Parteien bekommt.

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