Kommentar

Düsterer Tag

Alexander Jungert zum Kahlschlag bei General Electric

 

General Electric verbreitet Fassungslosigkeit. Nach dem beispiellosen Abbau von 1000 Arbeitsplätzen und dem Aus der Turbinenfabrik in Mannheim jetzt der nächste Schock: Der Konzern streicht noch mehr Jobs als befürchtet. Gewerkschafter rechnen sogar damit, dass eine Schließung ansteht. Es ist ein düsterer Tag für die Mitarbeiter.

Immer wieder gab es Gerüchte, wonach sich GE insgeheim schon länger von dem Mannheimer Werk verabschiedet hat. Zerschlagen konnte der Konzern diese Bedenken nie so recht. Tatsächlich muss sich das Unternehmen die Frage gefallen lassen, ob es wirklich ausreichend nach Alternativen gesucht hat. Zum Beispiel in Geschäftsfeldern der erneuerbaren Energien. Der Markt mit konventionellen Kraftwerken ist nicht erst seit gestern eingebrochen.

Zwar hat das Management bis dato eine Standortgarantie für Mannheim vermieden. Doch Alf Henryk Wulf, Vorstandschef von GE Power Deutschland, hatte dieses Frühjahr noch Hoffnung verbreitet: Das Unternehmen wolle auf jeden Fall an den verbliebenen 700 Mitarbeitern festhalten. Was diese Worte wert sind, sieht man jetzt: leider nichts.

Knallharte Verhandler

Trotz üppiger Konzerngewinne streicht GE bundesweit die Standorte zusammen. Schlimm, dass das Management keine andere Lösung gefunden hat. Die Entscheidung dürfte in den USA gefallen sein – weit weg von Mannheim und weit weg von hoch qualifizierten Menschen, die jetzt Angst haben. Sie müssen am ohnehin schon gebeutelten Standort schon wieder büßen. Arbeitnehmervertreter haben schon bei vergangenen Verhandlungen gemerkt, wie knallhart die Amerikaner sind.

GE hat mit seinen „Vorschlägen zur Bewältigung der Herausforderungen auf dem europäischen Energiemarkt“ (Pressemitteilung) viel Vertrauen verspielt – und der Geschichte des traditionsreichen Werks, das einst zu Alstom und zuvor zu Brown, Boveri & Cie. (BBC) gehörte, offenbar das letzte Kapitel hinzugefügt. GE hinterlässt verbrannte Erde in Mannheim.