Kommentar

Ehre schon vorher verloren

Archivartikel

Nein, wegen der Steuerermittlungen verliert der Ehrenvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, seine Ehre nicht. So etwas hat es schon gegen viele Abgeordnete im Bund und in den Ländern gegeben, aus allen Parteien. Nicht, weil sie schlechtere Menschen wären. Im Gegenteil. Weil sie so sind wie viele andere Bürger auch. Hier etwas nicht angeben, dort etwas übertreiben. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Trotzdem ist die Öffentlichkeit elektrisiert. Denn die AfD tritt als Saubermann-Partei auf, die für die „kleinen Leute“ zu sprechen vorgibt. Aber zu glauben, wegen dieses Vorganges würden die Rechtspopulisten nun Zustimmung verlieren, wäre naiv.

Die Anhänger und Wähler haben gewusst, dass der Vorsitzende Jörg Meuthen dubiose Spenden für seinen Wahlkampf annahm, ebenso die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel. Die angebliche Partei der „kleinen Leute“ hält beste Kontakte zum großen Geld. Das stört keinen. Im Gegenteil. Viele glauben, die Ermittlungen seien gesteuert, um der Partei zu schaden. Und die AfD befördert solche Verschwörungstheorien nach Kräften. Das wird sie auch im Steuer-Fall Gauland versuchen. Umso wichtiger ist es, dass die Behörden jetzt sauber arbeiten und den 78-Jährigen so behandeln, wie jeden anderen Steuerbürger auch. Was den Verlust seiner Ehre angeht, so kommt der aktuelle Vorgang bei Gauland zu spät. Die ist schon weg: Die „Vogelschiss“-Äußerung über die Nazi-Zeit. Der Vorschlag, eine SPD-Abgeordnete in Anatolien zu „entsorgen“.

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