Kommentar

Ein bisschen Normalität

Archivartikel

Alexander Müller zur Situation in der Bundesliga

Christian Heidels gewagte Prognose war schneller passé als erwartet. Der FC Bayern werde in dieser Saison kein Spiel verlieren, prophezeite der Schalker Manager nach der 0:2-Niederlage seines Teams vor einer Woche. Nach dem 1:1 gegen Augsburg und dem 0:2 in Berlin haben die Münchner nun innerhalb von vier Tagen sogar die Tabellenführung verspielt – und die Bundesliga hofft auf den ersten spannenden Titelkampf seit Jahren. Die Sehnsucht nach ein bisschen Normalität, die das zähe Zeitalter der bayerischen Hegemonie beendet, ist riesig.

Es spricht allerdings immer noch alles dafür, dass im Mai 2019 die Schale zum siebten Mal in Folge auf dem Münchner Marienplatz präsentiert wird. Zwar hat der neue Trainer Lucien Favre beim Dortmunder Umbau nach den Eindrücken vom 7:0 gegen Nürnberg und der furiosen zweiten Halbzeit in Leverkusen überraschend schnell ein stabiles Fundament gegossen, aber über die Distanz von 34 Spieltagen werden Rückschläge beim BVB kaum zu verhindern sein.

Die erste kleine Leistungsdelle des FC Bayern sollte man auf der anderen Seite nicht überinterpretieren. Die beiden zurückliegenden Auftritte des Rekordmeisters haben jedoch weitere klare Indizien dafür geliefert, dass der Kern des Kaders, der 2013 die Champions League gewann, seine besten Tage hinter sich hat. Der fehlerbehaftete und schwerfällig wirkende Jerome Boateng weit entfernt von seiner früheren Weltklasse, Thomas Müller und Arjen Robben blass – um es zurückhaltend zu formulieren. Die Münchner haben den Umbruch verpasst und werden sich nach den Verletzungen von Kingsley Coman sowie Corentin Tolisso ohne größere Alternativen durch den Herbst schleppen müssen.