Kommentar

Ein erster Schritt

Thorsten Hof zur Tribünenöffnung beim SV Waldhof

So viel Realismus muss sein: Dass die Waldhof-Fans heute gegen die Offenbacher Kickers ausnahmsweise wieder auf ihren angestammten Platz auf der OST-Tribüne dürfen, ist keinesfalls eine Wohltat des DFB und auch nicht allein dem Verhandlungsgeschick der SVW-Führung zu verdanken. Es geht vielmehr um Pragmatismus angesichts eines immer brisanten Vergleichs, bei dem es zuletzt zwar relativ ruhig blieb, der aber stets ein gewisses Aggressionspotenzial in sich birgt. Schon allein deshalb macht es Sinn, die Lager auch im Stadion klar zu trennen – und das geht eben nun einmal am besten, wenn sich die leidenschaftlichsten Waldhof-Anhänger in einem einzigen Bereich versammeln, während die Kickers-Fans ihr Team im Gästeblock unterstützen können.

Doch diese Ausnahme ist mehr als nur eine Notwendigkeit, sondern ein erster Schritt zur Normalität und nicht zuletzt die Anerkennung der jüngsten Mannheimer Bemühungen. Damit sich Szenen wie beim jüngsten Relegationsspiel nicht mehr wiederholen, wurde schließlich viel getan und über die eigenen Maßnahmen hinaus scheinen die Gespräche mit dem DFB und der Polizei zu fruchten. Ohne eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wäre der Kompromiss für das Derby sicher nicht zustande gekommen.

Die Weichen für eine Rückkehr der Fans auf die OST vielleicht schon zur Rückrunde sind also gestellt, ob es dazu kommt, hängt jetzt allerdings ganz maßgeblich von den Waldhof-Anhängern selbst ab. Sie müssen schon heute beweisen, dass sie ihren Worten Taten folgen lassen, dass die Selbstreinigungskräfte stark genug sind, dass die Vernünftigen den Ton angeben und nicht Rowdies und Provokateure das Bild des blau-schwarzen Anhangs prägen. „Wir sind mehr“ heißt es derzeit im politischen Diskurs gegen die Unvernunft. Dieses Motto muss endlich auch auf der OST gelebt werden.

Zum Thema