Kommentar

Ein Fiasko

Christian Rotter zum WM-Desaster der Basketballer

Sie waren mit großen Erwartungen und einem noch größeren Mundwerk nach China gereist: Die deutschen Basketballer träumten insgeheim von einer WM-Medaille – und der Verband dämpfte die Euphorie nicht. Zwar kann es nie schaden, sich hohe Ziele zu setzen. Die kämpferischen Worte kommen aber dann wie ein Bumerang zurück und fliegen einem um die Ohren, wenn man nichts, aber auch gar nichts dafür tut, dass der Traum in Erfüllung geht.

Die DBB-Riesen haben in China auf der ganzen Linie enttäuscht. Die Aufarbeitung des Desasters wird auch deshalb einige Wochen in Anspruch nehmen, weil die Fallhöhe so groß ist. Das Team wollte die ganz Großen ärgern – nach dem Fiasko gegen den krassen Außenseiter Dominikanische Republik spielt es um die Plätze 17 bis 32.

Lange Aufarbeitung folgt

Es bleiben viele Fragen: Hat der Verband in der Vorbereitung zu schwache Gegner ausgewählt, die die Intensität einer WM nur unzureichend interpretierten? Hat die Mannschaft ein psychisches Problem und ist am – selbst auferlegten Druck – so erbarmungslos zerschellt wie ein rohes Ei, das auf den Fliesenboden knallt? Ist Dennis Schröder nicht der Führungsspieler, der er gerne wäre? Und hätte Bundestrainer Henrik Rödl nicht eingreifen müssen, statt seinem Team beim Untergang zuzusehen? Die Antwort auf all diese Fragen lautet: Ja!

Dieses Versagen schmerzt umso mehr, weil eine ganze Sportart auf einen Boom hoffte. Der DBB wollte sich für die Ära nach Dirk Nowitzki rüsten und schickte eine scheinbar verheißungsvolle Mannschaft zur WM. Die historische Chance wurde vertan. „Wir haben unter unseren Möglichkeiten gespielt“, sagte Rödl unmittelbar nach dem Aus. Seine Schützlinge ließen die richtige Einstellung zum Gegner vermissen – und daran trägt der Trainer zumindest eine Mitschuld.

Zum Thema