Kommentar

Ein Lied, das vereint

Hagen Strauß zur deutschen Nationalhymne

Vor 30 Jahren waren es die DDR-Bürger, die sich bei ihren Protesten in Leipzig oder Ost-Berlin auf Einigkeit, Recht und Freiheit berufen haben. Das darf in der von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow angestoßenen Debatte über eine neue Nationalhymne nicht vergessen werden. Die dritte Strophe des Liedes der Deutschen hat damals wie heute verbunden; sie symbolisiert das Gegenteil von dem, was im Moment so oft diskutiert wird – dass Ost und West wieder mehr trennt, als eint.

Auch die Nationalhymne steht spätestens seit der Fußball WM 2006 für ein neues und weltoffenes Land, sie hat nichts mehr mit den Nazi-Aufmärschen zu tun, mit denen sie von Ramelow immer noch in Verbindung gebracht wird. Das spricht zwar für das historische Bewusstsein des Linken, kann aber kein Grund sein, ein neues Lied zu erfinden. Denn eine Hymne sollte auch die wechselvolle Geschichte eines Landes und die Lehren, die daraus gezogen wurden, spiegeln. Für die deutsche gilt das allemal. Ebenso der Umstand, dass manche partout nicht begreifen wollen, dass die erste Strophe von den Nationalsozialisten missbraucht wurde und deshalb nicht mehr gesungen wird, ist kein Argument für eine andere Hymne. Unbelehrbare gibt es immer, wie zuletzt der rechte Flügel um AfD-Mann Björn Höcke bewiesen hat. Einer solchen Provokation darf man dann aber auch nicht nachgeben.

Deutschland braucht keine neue Hymne. Es hat eine wunderbare Melodie mit einem prägnanten und symbolträchtigen Text. Und das kann nicht jedes Land von sich behaupten.

 
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