Kommentar

Ein mutiger Schritt

Archivartikel

Stefan Vetter lobt, dass Gesundheitsminister Jens Spahn auch den Krankenhäusern mehr Anstrengungen bei der Personalausstattung abverlangt

Die Misere in der Pflege ist zum politischen Dauerbrenner geworden. Vor allem der vielerorts grassierende Personalmangel sorgt für hitzige Debatten. Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit bei diesem Thema auf die Pflegeheime. Nun richtet der Gesundheitsminister den Fokus auch auf die Krankenhäuser, in denen das Problem mittlerweile ähnlich akut ist.

Für seinen Vorstoß sollte man Jens Spahn dankbar sein. Nach seinem Gesetzentwurf sollen Krankenhäuser künftig konkrete Vorgaben bekommen, wie viel Pflegepersonal jeweils für ihre Patienten zur Verfügung stehen müssen. Das ist durchaus ein mutiger Schritt. Denn er rührt am Prinzip der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. Spahn entmachtet damit ein Stück weit Kliniken und Krankenkassen, die sich über das Thema schon seit Jahren erfolglos die Köpfe heiß reden. Den Kliniken wird mit dem Entwurf endlich signalisiert, dass es so nicht weiter gehen kann. Auch sollen alle einschlägigen Daten veröffentlicht werden. Interessierte Patienten können sich dann selbst darüber ins Bild setzen, wie gut oder schlecht sie in einer bestimmten Klinik aufgehoben sind. Das kann dem Wettbewerb nur guttun.

Nun wird mancher einwenden, dass sich die Kliniken das Betreuungspersonal nicht backen können. Aber hier dreht sich der Wind. Mit der geplanten Ausbildungsoffensive und den anvisierten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einschließlich einer spürbar höheren Bezahlung wird auch die Attraktivität des Pflegeberufs steigen. Am Ende hat es jede Klinik selbst in der Hand, entsprechende Anreize zu schaffen.

 
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