Kommentar

Ein Scherbenhaufen

Thomas Spang über den Rücktritt des Nationalen Sicherheitsberaters: Kaum einer weint John Bolton eine Träne nach

Dem kriegslüsternen Falken mit dem markanten Schnauzbart weinen in Washington nur wenige eine Träne nach. John Bolton schaffte es, sich in den 17 Monaten als Nationaler Sicherheitsberater so viele Feinde zu machen, dass ihm niemand zur Seite sprang, als US-Präsident Donald Trump der Kragen platzte. Außenminister Mike Pompeo grinste hämisch, die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus atmeten durch und in den Hauptstädten rund um die Welt knallten die Korken über den Rücktritt des Haudegens. Ein Mann, den viele mehr fürchteten als den Präsidenten.

Bolton hinterlässt einen Scherbenhaufen, der nachhaltige Konsequenzen haben wird. Um Trump ungefiltert beeinflussen zu können, zerstörte Bolton eingespielte Entscheidungsprozesse. Dazu gehört die Konsultierung des Nationalen Sicherheitsrats, dessen Experten in der Vergangenheit für Kontinuität in der Außen- und Sicherheitspolitik der USA gesorgt hatten. Statt eine konsistente Strategie zwischen Außenministerium, Pentagon und Geheimdiensten zu koordinieren, kochte Bolton sein eigenes Süppchen. Das erklärt viel von dem Chaos der vergangenen Monate, das die US-Außenpolitik von Nordkorea über Iran bis hin nach Afghanistan prägte.

Analysten war schon bei Boltons Berufung klar, dass es kaum Schnittmengen zwischen dem „Amerika-Zuerst“-Isolationisten Trump und dem „Amerika-Zuerst“-Interventionisten Bolton gab. Das Ergebnis sind die diplomatischen Sackgassen, in denen die USA gelandet sind.

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