Kommentar

Ein schlechter Witz

Walter Serif über die Forderung des Bildungsforschers Schleicher, der sich für einkommensabhängige Studiengebühren ausspricht

Es ist der ewig alte Streit, den Bildungsforscher Andreas Schleicher wieder aufwärmt. Wer soll die Kosten für das Studium zahlen? Die Allgemeinheit (also der Steuerzahler) oder der Student selbst (also Studiengebühren)? Bis Anfang der 2000er Jahre war die erste Variante mehr oder weniger unumstritten. Danach führten sieben Bundesländer allgemeine Studiengebühren ein – sie wurden aber nach wenigen Jahren wieder abgeschafft, weil die Studenten auf die Straße gingen. Diese kritisierten zu Recht, dass das Bezahlstudium junge Menschen aus einkommensschwachen Familien abschrecken würde.

Schleicher weiß das alles. Gleichwohl bringt er jetzt erneut Studiengebühren ins Spiel. Nämlich nachgelagerte. Der vermeintliche Charme an seinem Vorschlag: Er ist auf den ersten Blick wenigstens sozialverträglich. Will heißen: Jeder, der studiert, kann die Kosten für die Uni mit einem zinslosen Darlehen stemmen. Zurückzahlen muss der Absolvent es nur dann, wenn er später im Beruf auch wirklich genügend verdient.

So sieht es jedenfalls in der Theorie aus. Nur: Was ist ein angemessenes Einkommen? Einkommensgrenzen lassen sich immer ändern. Zum Beispiel, wenn die Staatskassen leer sind. Gegenwärtig ist dies nicht der Fall, aber das kann sich auch wieder ändern.

Das größte Problem ist aber, dass es sich selbst bei nachgelagerten Studiengebühren um eine verkappte Steuererhöhung handelt – wenn auch nur für später Gutverdienende. Angesichts der Tatsache, dass die Steuereinnahmen seit Jahren rekordträchtig hoch sind, klingt dies wie ein schlechter Witz. Und wer die Ungerechtigkeiten im Steuersystem – die es durchaus gibt – ändern will, kann ja den Spitzensatz erhöhen. Dann müssten schon die Eltern und nicht erst ihre Kinder einen höheren Beitrag leisten.

Fazit: Die Hochschulen haben nicht deshalb zu wenig Geld, weil es in Deutschland keine Studiengebühren gibt. Es fließen insgesamt im internationalen Vergleich zu wenig Mittel in die Bildung. Nach der Schleicherschen Logik müssten dann künftig auch Schüler und Lehrlinge zahlen.