Kommentar

Ein schwacher Trost

Frank Schumann zur Zinsentscheidung der EZB

Genau drei Jahre ist es her, seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null Prozent gesenkt hat – und nichts spricht momentan dafür, dass sich in absehbarer Zeit etwas daran ändert. Die Inflation in der Eurozone hält unverändert Abstand zur EZB-Zielmarke von zwei Prozent, gleichzeitig wächst die konjunkturelle Unsicherheit. Das Brexit-Chaos und die Rezession in Draghis Heimatland Italien sprechen gegen eine Zinswende. Und auch die Ankündigung des EZB-Präsidenten, Nebenwirkungen der Nullzins-Politik abmildern zu wollen, spricht Bände. Die Notenbanker könnten stattdessen doch einfach die Ursache von unerwünschten Begleiterscheinungen beseitigen.

Angesichts dieser Lage dürfen sich Sparer keine Hoffnungen machen, in nächster Zeit höhere Zinsen für Sparbücher oder Tagesgeldkonten zu erhalten. Ebenso schlimm wiegen die absehbaren Einbußen bei der Altersvorsorge, je länger das Zinstief anhält. Denn auch Versicherungen können Geld derzeit nur schwer gewinnbringend anlegen. Nur wer einen Kredit aufnimmt, profitiert von den Niedrigzinsen – wenigstens ein schwacher Trost.