Kommentar

Ein wichtiger Auftrag

Archivartikel

Wie sieht ein Haus aus, was ist ein Grundriss, was ein Maßstab, wie entstehen Wettbewerbsverfahren? Interesse wecken für gutes Bauen und gescheite Architektur, hinter die Fassaden blicken, dabei Ottonormalbürger mitnehmen – das hat sich der neue Verein, Mannheims Ort für Architektur e.V., auf die Fahnen geschrieben. Eine super Sache. Architektur zu vermitteln, ist ein wichtiger Auftrag. Schließlich prägt jedes kleine Gebäude das Bild einer Stadt.

Was, wo entsteht, und warum, das bleibt aber leider allzu oft für interessierte Bürger und Bürgerinnen im Dunkeln. Ziele und Absichten von Bauherren und Investoren erscheinen nicht selten undurchsichtig, Vorgänge beim Planen hinter den Kulissen sind intransparent. Ein höchst undemokratischer Vorgang – zumal es meist nicht nur ums Bauen an sich geht, sondern auch um den Städtebau und die Gestaltung öffentlicher Räume. Am Ende um das Leben an sich auf Plätzen, in Räumen und auf Flächen. Da möchte man mehr wissen, eventuell mitreden, sich einbringen. Gestalten und Bauen als Beteiligungsprozess, Teilhabe ermöglichen – genau das gehört zur Baukultur.

In anderen Städten gibt es solche offenen Architekturschaufenster schon ganz lange. In Karlsruhe zum Beispiel. Dort macht man gute Erfahrungen mit ehrenamtlicher Architekturvermittlung. Das Interesse an Fragen der Stadtplanung und -gestaltung ist dort groß. Auch wenn die Stadt mit dem Bachelorstudiengang und der Fakultät Architektur an der Hochschule natürlich mehr Expertenwissen zu bieten hat.

Dennoch: Was in Karlsruhe gelingt, könnte jetzt auch in Mannheim klappen. Anders als der seit zehn Jahren existierende städtische Gestaltungsbeirat, bei dem sich Professionelle austauschen, bietet der Verein eine Plattform, bei der interessierte Laien mitmachen, mitdenken und sich artikulieren können. Eine solche Architekturvermittlung ist eine wichtige Form von Baukultur. Diese zu gestalten, war in Mannheim längst überfällig.

Zum Thema