Kommentar

Ein Wunder

Marc Stevermüer zum Klassenerhalt der Eulen

Es gibt Begriffe im Sport, die eindeutig zu häufig, ja sogar inflationär benutzt werden. Es muss nicht viel passieren – und schon ist von einem Wunder die Rede. Aber das, was die Eulen Ludwigshafen mit dem Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga geschafft haben, ist in der Tat kaum zu beschreiben oder in Worte zu fassen. Es ist ein echtes Wunder, weil die Pfälzer darauf angewiesen waren, dass sich die Rivalen Bietigheim und Gummersbach die Punkte teilen. Und es ist erst recht ein Wunder, weil dieser Klassenerhalt noch unerwarteter kommt als der sensationelle Ligaverbleib 2018.

Als die Eulen vor einem Jahr in die neue Saison starteten, traute ihnen praktisch jeder noch weniger zu als in der Vorsaison. Es ging eigentlich nur darum, ob Ludwigshafen oder Bietigheim Letzter wird – und selbst vor dem 32. Spieltag war eigentlich ziemlich klar, dass die Friesenheimer absteigen. Es folgten drei Siege zum Abschluss, die den nicht hoch genug zu bewertenden Klassenerhalt brachten.

Matschke macht‘s möglich

Mit David Schmidt verloren die Eulen vor einem Jahr ihren absoluten Leistungsträger, seit dem ersten Spieltag kämpfte außerdem kaum ein anderer Bundesligist mit solch einem immensen Verletzungspech wie die ohnehin personell eher dünn besetzten Pfälzer. Und dann waren da noch die vielen emotionalen Rückschläge: Die Ludwigshafener gaben sicher geglaubte Siege aus der Hand, andere Male fehlte schlichtweg das Glück in den allerletzten Sekunden. Kurzum: Die Eulen zeigten all die typischen Symptome eines Absteigers – und blieben trotzdem drin, weil Trainer Benjamin Matschke erneut einen großartigen Job machte.

Auch im vierten Jahr seiner Amtszeit holte er das Maximale aus dieser Mannschaft heraus. Wahrscheinlich sogar noch mehr. Das macht ihn zwar noch längst nicht zu einem Wundertrainer, zu einem extrem besonderen aber ganz gewiss.