Kommentar

Eine Blamage

Archivartikel

Peter Reinhardt über die Frauenförderung der Südwest-CDU

 

Natürlich lassen sich immer Gründe finden, wenn Frauen in der Politik nicht vorankommen. Bei der Südwest-CDU zum Beispiel sind es aktuell der Bezirksproporz und die Tatsache, dass bei der Europawahl sich alle amtierenden Abgeordneten wieder bewerben. Trotzdem zählt, was hinten rauskommt: Einmal mehr hat es die Partei nicht geschafft, die selbst gesteckten Ziele zur stärkeren Beteiligung von Frauen zu erfüllen. Das ist so schon eine Blamage. Zum Desaster könnte sich das auswachsen, wenn mit Inge Gräßle ausgerechnet die einzige Frau im bisherigen Quintett nicht mehr durchkommen würde. Die Gefahr ist erheblich, da die AfD der CDU bei der Europawahl wahrscheinlich viele Stimmen abnehmen wird.

Die von Thomas Strobl vor Jahren aufgelegte Kampagne „Frauen im Fokus“wendet sich gegen die CDU selbst. Wenn es darauf ankommt, setzen sich noch immer die Männer überdurchschnittlich durch. Zu besichtigen war das bei der Bundestagswahl und bei der Landtagswahl ebenfalls. Dabei geht der Streit um die Einführung einer Landesliste am Kern des Problems vorbei. Denn die Grünen haben gezeigt, dass sich auch im derzeitigen Wahlsystem eine Landtagsfraktion nahezu zur Hälfte mit Frauen besetzen lässt. Nachhaltig ließe sich das Defizit bei der CDU nur lösen, wenn an der Basis mehr Frauen nominiert würden. Dort mangelt es am Bewusstsein, aber manchmal auch an Bewerberinnen. Vor fünf Jahren konkurrierten zwei Männer um einen sicheren Platz auf der Europawahlliste, den eine Frau freigemacht hatte.

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