Kommentar

Eine exzellente Wahl

Steffen Mack zur Preisverleihung an Loujain Al-Hathloul

Nichts gegen die bisherigen Träger des Bertha-und-Carl-Benz-Preises. Alle sind eher unbekannte, aber ausgewiesene Experten, die sich um die Zukunft der Mobilität auf die eine oder andere Weise verdient gemacht haben. Doch eine so hervorragende Wahl wie dieses Jahr ist der Stadt bisher noch nie gelungen. Loujain Al-Hathloul eignet sich exzellent als Preisträgerin, und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Die 29-Jährige und einige Mitstreiterinnen haben erreicht, dass Frauen nunmehr auch in Saudi-Arabien – als letztem Land der Erde – Auto fahren dürfen. Das ist nicht nur ein Meilenstein auf dem noch weiten Weg hin zu Gleichberechtigung. Die Umstände sowie Al-Hathlouls persönliches Schicksal demonstrieren gleichwohl, wie schlecht es in dem Königreich trotz aller vermeintlichen Lockerungen nach wie vor um die Menschenrechte steht. Die Preisträgerin wurde einen Monat, bevor Frauen den Führerschein erlaubt bekamen, ins Gefängnis gesteckt. Darin sitzt sie bis heute. Ihre Familie bezeichnet die Haftbedingungen als Folter.

Umso wertvoller ist nun die Auszeichnung der Stadt Mannheim. Sie mag nur ein kleiner Beitrag sein, doch wird den Herrschern in Riad so erneut signalisiert, dass Al-Hathlouls Leiden international verfolgt werden. Und dass man mit Menschenrechten nicht mehr umspringen kann wie im vorigen Jahrtausend. Die Welt schaut jetzt hin.

Zum Thema