Kommentar

Eine Farce

Archivartikel

Werner Kolhoff verurteilt Markus Söders Versuch, das Kreuz als Wahlkampflogo zu instrumentalisieren

 

Nichts gegen identitätsstiftende Symbole. Die Marienfiguren in Polen oder Wegkreuze in Teilen Deutschlands gehören zum Landschaftsbild. Identitäten, auch religiöse, sind Heimat.

Das Problem ist, dass diese Heimat sich derzeit rasch verändert. Die Globalisierung, die Vermischung von Völkern und Kulturen sowie die zunehmende Säkularisierung sind dafür die treibenden Motoren. Weltweit. Auch Bayern ist davon nicht verschont, es gehört technologisch sogar zu den Treibern. Zwar sind noch 75 Prozent der Bayern christlichen Glaubens. Aber nur fünf Prozent gehen regelmäßig sonntags zur Kirche.

An Pfingsten und Fronleichnam war auch im Freistaat viel los – in den Biergärten. Weltweit gibt es Versuche, die Zeit zugunsten der Religionen anzuhalten. Mit mehr oder weniger Zwang. Die CSU kann allerdings im Unterschied zu muslimischen Religionswächtern von sich nicht behaupten, dass es bei ihr irgendeine nennenswerte Basisbewegung gebe, die dringend gefordert hätte, in allen Ämtern sofort religiöse Symbole aufzuhängen. Volkes Wille war das nicht. Sondern allein der des Markus Söder. Dabei ist der neue Ministerpräsident gar nicht sonderlich glaubensbeseelt. Er ist nur beseelt von der Vorstellung, dass diese Aktion ein paar Prozentpunkte bringen könnte bei der nächsten Landtagswahl.

Das Ganze ist wenig missionarisch motiviert und richtet sich schon gar nicht gegen andere Glaubensgemeinschaften. Es ist vielmehr der Versuch, das Kreuz als ideelles Wahlkampflogo zu instrumentalisieren. Heimat lässt sich nicht festnageln, Identität nicht verordnen. Ein Kreuz, dessen Lehre nicht gelebt wird, ist nur ein Gegenstand über der Tür. Von diesen Gegenständen gibt es in Bayern nun ein paar mehr. Die CSU-Aktion ist kein Kulturkampf, eher eine Farce. Auch die Kritiker sollten daher die Kirche im Dorf lassen.

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