Kommentar

Eine Frage der Moral

Alexander Müller zum Uefa-Kongress in Rom

Im Kurznachrichtendienst Twitter zieht ein Nutzer einen bissigen Vergleich. Die Berufung des katarischen Geschäftsmanns Nasser al-Khelaifi ins Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbands (Uefa) sei in etwa so, als würde man Uli Hoeneß eine Festanstellung beim Münchner Finanzamt besorgen. Selbst die sehr zurückhaltende Nachrichtenagentur dpa schreibt von einem „fußballpolitischen Schildbürgerstreich“. Der hochumstrittene Einzug des Präsidenten von Paris Saint Germain in die „Regierung“ der Uefa hat deren Kongress in Rom überschattet.

Der in den vergangenen Jahren mit hohen dreistelligen Millionensummen aus Katar alimentierte Neymar-Club steht im Zentrum von der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ erhobenen Anschuldigungen, die Regeln des Financial Fairplay systematisch umgangen zu haben. Statt diese Vorwürfe zunächst gründlich aufzuklären, beruft die Uefa den Pariser Boss nun in ihr wichtigstes Gremium. Außerdem stehen Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Bestechung im Raum – es geht um angebliche Mauscheleien zwischen al-Khelaifi und dem ehemaligen Fifa-Mann Jerome Valcke rund um die Vergabe der TV-Rechte für die WM 2022 in Katar.

Das alles schert die Verantwortlichen bei der Uefa aber nicht. Und das ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die den Glauben an Anstand und Moral in den Fußballverbänden noch nicht verloren haben.