Kommentar

Eine Frage der Zeit

Marc Stevermüer zur Zukunft von Julian Nagelsmann

 

Unverzüglich reagierte Christian Frommert auf seiner Facebook-Seite. Dem Mediendirektor von 1899 Hoffenheim passte die Schlagzeile der "Bild" nicht. "Bayern würde mich glücklicher machen", zitierte das Boulevard-Blatt den TSG-Trainer Julian Nagelsmann und unterschlug damit dessen Nachsatz, dass sein Glück nicht von einem Engagement beim deutschen Rekordmeister abhänge. Mal abgesehen davon, dass die Passage dann später im Text auftauchte, stellt sich schon die Frage: Warum gehen die Kraichgauer so aufgeregt mit diesem Thema um? Jeden Trainer würde es schließlich glücklich(er) machen, bei den Bayern zu sein.

Wohltuend anders

Das gilt entsprechend auch für Nagelsmann, der zwar unlängst seinen Vertrag bis 2021 verlängert hat. Die jüngste Entwicklung im Weltfußball zeigt indes, dass langfristige Arbeitspapiere nur noch geschlossen werden, um Ablösesummen zu erhöhen. Da bildet die TSG keine Ausnahme - und die Verantwortlichen können sich sicher sein, dass der Medienprofi Nagelsmann seine Interview-Bewerbung nicht aus Versehen platziert hat.

Irgendwann wird der 30-Jährige den Club verlassen, bis dahin bleibt er ein Glücksfall für die TSG. In sportlicher Hinsicht sowieso, aber auch als Mensch, als Typ. Der Trainer gibt etwas mehr von sich preis, weshalb er ein Gewinn für die ganze Bundesliga ist, wo die Kontrollzentralen namens Pressestelle liebend gerne die gesamte Kommunikation steuern würden. So ganz nach dem Motto: Das Standardprogramm muss reichen.

Sehr bald zu groß für 1899

Doch bei Nagelsmann gibt es immer etwas mehr als nur die langweilige Pflicht. Hier ein Spruch. Da ein Scherz. Zuletzt äußerte er sich auf der Pressekonferenz zum Bayern-Spiel sogar zur Bundestagswahl und zur Terrorgefahr. Keine Frage: Dieser Mann ist clever und ungemein sympathisch, was übrigens auch dem gesamten Club hilft, der bundesweit immer noch als am Reißbrett designter und neureicher Emporkömmling wahrgenommen wird.

Dass sich dieses Bild ein wenig wandelt, haben die Kraichgauer vor allem auch Nagelsmann zu verdanken. Allerdings wird er - wie zuvor schon die Spieler Firmino, Sebastian Rudy und Niklas Süle - schon bald ein bisschen zu groß für diesen vergleichsweise kleinen Verein sein. Der 30-Jährige wird deshalb in nicht allzu ferner Zukunft die Bayern trainieren - und darauf darf dann auch die TSG stolz sein.

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