Kommentar

Eine kleine Demütigung

Archivartikel

Es gab Zeiten, da arbeiteten beim FC Bayern Trainer, die eine echte Machtposition im Club besaßen. „Thiago oder nix“, forderte Pep Guardiola im Jahr 2013 energisch die Verpflichtung des spanischen Mittelfeldspielers vom FC Barcelona. Sein Wunsch wurde ihm prompt erfüllt.

Womit wir bei Niko Kovac wären. Der öffentliche Rüffel von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in Richtung seines aktuellen Trainers erlaubt einen tiefen Einblick in das Innenleben beim Rekordmeister aus München. Kovac hatte in einem Interview lediglich seiner Zuversicht Ausdruck verliehen, dass es mit der Verpflichtung des Wunschstürmers Leroy Sané klappen könnte. Das reichte Rummenigge aus, um den kroatischen Fußballlehrer zu maßregeln, ja fast zu demütigen. Denn der Bayern-Boss tadelte Kovac nicht etwa hinter verschlossenen Türen, sondern vor laufenden Fernsehkameras. Das wäre zu Zeiten von Guardiola, Heynckes oder Hitzfeld schlicht undenkbar gewesen.

Der frühere Frankfurter Coach weiß jetzt endgültig, welches Standing er in München hat. Kovac ist ein Trainer auf Abruf. Der nahende Abgang seines Fürsprechers Uli Hoeneß als Präsident verschärft die Situation des gebürtigen Berliners weiter, denn Rummenigge hat schon in der vergangenen Saison kaum eine Gelegenheit ausgelassen, gegen Kovac zu sticheln. Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat genug mit seinen eigenen Problemen und Defiziten zu kämpfen, als dass er den Trainer im Ernstfall schützen wird. Die nächste Krise könnte Kovacs letzte an der Säbener Straße sein.

Devote Entschuldigung

Ein bisschen ist der Trainer auch selbst Schuld an dem mangelnden Respekt, der ihm in München trotz des Gewinns des Doubles entgegengebracht wird. Kovac lässt sich einfach zu viel gefallen, er agiert zu unterwürfig, wo er eigentlich mit klaren Aussagen sein Profil schärfen müsste. Die devote Entschuldigung im Fall Sané kann dafür als bestes Beispiel gelten. Denn fachlich gesehen hat Kovac das Recht und sogar die Pflicht, echte Verstärkungen für den zurzeit noch äußerst dünn besetzten Bayern-Kader einzufordern.