Kommentar

Eine Notlösung

Archivartikel

Peter Reinhardt kritisiert die Mängel der Planung

 

Natürlich lässt sich der Lehrerbedarf nicht ganz exakt planen. Dafür gibt es zu viele Ungewissheiten etwa in den Schülerprognosen. Aber den aktuellen bundesweiten Mangel müssen sich die Hochschulen und Bildungspolitiker schon ankreiden lassen. In Baden-Württemberg wurden viel zu wenige Grundschullehrer ausgebildet, obwohl man ohne Kenntnisse der höheren Mathematik die laufende Pensionierungswelle hätte voraussehen können. Stattdessen ließ die frühere grün-rote Landesregierung für die Reform des Lehrerstudiums einen kompletten Ausbildungsjahrgang ausfallen. Nicht zu kalkulieren war allerdings die Anspruchshaltung jener Junglehrer, die lieber in die Arbeitslosigkeit als an eine ländliche Schule gehen.

Auf die Notlage reagiert Ministerin Susanne Eisenmann mit einer Notlösung. Sie gibt arbeitslosen Gymnasiallehrern eine Übernahmegarantie, wenn sie vorübergehend auf eine schlechter bezahlte Stelle an einer Grundschule wechseln. Mit ihrer universitären Fachausbildung brauchen diese sicherlich viel Fortbildung für den Einsatz. Aber das ist allemal besser als Seiteneinsteiger, die gar keine pädagogische Erfahrung mitbringen. Die Kritik der Gewerkschaft GEW daran ist maßlos überzogen. Der Ruf nach mehr Lehrerstellen löst das kurzfristige Problem nicht. Ohnehin hat die Regierung die Zahl der Studienanfängerplätze für Grundschullehrer um 50 Prozent erhöht. Nun muss die Politik aufpassen, dass sie keine dauerhafte Überkapazität schafft, die es gerade bei den Gymnasien gibt. Besonders in den sprachlichen Fächern haben da selbst gute Nachwuchskräfte keine Chance. Auch das ist Fehlplanung.

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