Kommentar

Eine Nummer zu groß

Peter W. Ragge fordert mehr Kooperation der Fasnachter

Mancher Fasnachter atmete auf, als die Inthronisation der Stadtprinzessin dann doch in so gelungener, fröhlich-festlicher Weise über die Bühne ging. Zu erwarten war das nämlich nicht unbedingt. Schließlich ist die "Grokageli", trotz beeindruckender Tradition, durch strukturelle Probleme des Lindenhofs wie interne Querelen inzwischen einer der allerkleinsten Mannheimer Karnevalsvereine und weit entfernt von den 1950er bis 1970er Jahren, als sie mit Feuerio und "Fröhlich Pfalz" in einem Atemzug genannt wurde und mühelos den Rosengarten füllte.

Eine so tolle Stadtprinzessin wie Miriam I. kann die "Grokageli", auch wenn das deren -wenige - Aktive sicher nicht gerne hören, nur durch beträchtliche Hilfe anderer Vereine stellen. Alleine wäre das mehr als eine Nummer zu groß. Ob Ex-Akteure von "Lallehaag" oder "Fröhlich Pfalz", "Pilwe", das Traditionscorps, zahlreiche Ex-Prinzen des Feuerio - sie alle haben mit Rat, Tat und Geld enorm geholfen.

Das ist keinesfalls ehrenrührig. Im Gegenteil: Es spricht für die "Grokageli", dass sie die angebotene Hilfe angenommen hat - und es spricht für alle Helfer, dass sie trotz vieler Eifersüchteleien und Ehrpusseligkeiten Miriam beherzt unter die Arme greifen.

Das System, dass nur sieben der über 20 Mannheimer Karnevalsvereine das Privileg haben, im Wechsel die Stadtprinzessin zu stellen, stammt aus den 1960er Jahren. Es hat sich überlebt und gehört auf den Prüfstand. Längst sind einige Vereine im Mannheimer Norden oder Osten größer, besser und aktiver als mancher, dem die Uralt-Regelung eine herausgehobene Stellung zuspricht. Die Zukunft liegt ohnehin in einer engeren Kooperation der Vereine, wie es die "Grokageli" jetzt richtig vorgemacht hat.

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