Kommentar

Eine Pflichtübung

Alexander Müller zur Auslosung der EM-Qualifikation

Die Uefa hat etwas Unerhörtes geschafft. In der Auslosung der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft verbietet sich der überstrapazierte Begriff „Hammergruppe“ von ganz allein – es sei denn, man nimmt die Perspektive San Marinos ein. Die Aufblähung des Finalturniers auf 24 Teilnehmer hat dafür gesorgt, dass die großen Fußballnationen dem Vorentscheid entspannt entgegenblicken können.

Zu diesem elitären Kreis zählt auch die deutsche Nationalmannschaft immer noch, selbst wenn die internationale Reputation der DFB-Auswahl im gruseligen WM-Jahr 2018 großen Schaden genommen hat. Die Qualifikation für das paneuropäische Turnier 2020 kann für den entthronten Weltmeister deshalb nur eine Pflichtübung sein: mit den Niederlanden einen Gegner auf Augenhöhe, dazu die fußballerisch limitierten Nordiren und in Estland und Weißrussland zwei Konkurrenten aus der Kategorie drittklassig. In dieser Gruppe muss die DFB-Elf – Umbruch hin oder her – einen der ersten beiden Plätze schaffen. Alles andere wäre das nächste historische Debakel.

Die Kehrseite der Medaille: Große Aufschlüsse über den Fortschritt des angestoßenen Neuaufbaus darf man im neuen Jahr kaum erwarten, dafür braucht das Nationalteam Duelle, in denen es richtig gefordert wird. Nach der Bilanz von zehn Siegen aus zehn Spielen und 43:4 Toren bei der Qualifikation zur WM 2018 konnte man das Fiasko von Russland auch nicht erahnen.

Das größte Problem für den DFB dürfte nicht-sportlicher Natur sein. Die Frage wird sein, wie es der Verband schaffen will, in Zeiten des Zuschauerschwunds bei Heimspielen gegen Estland oder Weißrussland das Stadion voll zu bekommen.