Kommentar

Eine Schande für die Liga

Archivartikel

Christian Rotter zu Pinizzottos Foul gegen Plachta

 

Der Übeltäter hat seine Strafe erhalten. Die Deutsche Eishockey Liga zieht Münchens Steven Pinizzotto zunächst aber nur für fünf Spiele aus dem Verkehr. Der Rüpel, der mit seinem brutalen Ellbogencheck gegen den Kopf von Matthias Plachta die Gesundheit des deutschen Nationalspielers aufs Spiel setzte, ist damit noch mehr als gut bedient.

Pinizzotto ist kein unbeschriebenes Blatt. Die Liga hat ihn schon einmal zum Rapport in ihre Zentrale bestellt und ihm seine ständigen Provokationen vorgehalten. Den Eishockey-Fans ist noch in bester Erinnerung, wie Pinizzotto in der Finalserie 2016 gegen einen bereits geschlagenen Gegner nachtrat. Als München alles klargemacht hatte, bejubelte Pinizzotto nicht einfach nur das entscheidende Tor und den damit verbundenen Titelgewinn, sondern zelebrierte diesen ausgerechnet voller Inbrunst vor der Wolfsburger Spielerbank.

Von wegen Sheriff

Mit Fair Play hat das nichts zu tun. Gelernt hat der von den EHC-Fans als „Sheriff vom Oberwiesenfeld“ geadelte Pinizzotto daraus nichts. Im Gegenteil: Statt für Recht und Ordnung zu sorgen, wie es von einem Gesetzeshüter verlangt wird, hat er den Sport mit Füßen getreten. Es ist das eine, wenn man den Gegenspielern mit einem schmutzigen Spruch aus der Fassung bringen will oder sich ihm in einem fairen Faustkampf stellt – die Aktion gegen Plachta am Donnerstagabend war aber genauso überflüssig wie verabscheuungswürdig. Der Mannheimer befand sich gerade an der Bande im Zweikampf mit Konrad Abeltshauser, als Pinizzotto heranflog und kurz vor dem Einschlag noch einmal den Ellbogen nach oben zog, um Plachta auch ja richtig zu verletzen.

Damit noch lange nicht genug: Wie aus Mannheimer Mannschaftskreisen zu hören war, soll Pinizzotto das Foul mit den Worten angekündigt haben: „Ich werde gleich einen von euch aus dem Spiel nehmen.“ Eine Bestätigung dafür gibt es nicht, aber wer sieht, wie er bereits zwei Minuten vor dem Horror-Foul mit dem Schläger voraus gegen Mark Stuarts Nacken austeilt, kann sich seine eigene Meinung bilden.

Auch sein Verhalten nach seinem Aussetzer, das – ein Hoch auf die DEL! – nicht ins Strafmaß eingeflossen ist, spricht Bände: Während Plachta noch benommen auf dem Boden liegt, beugt er sich herablassend über den Verletzten. Er lässt sich von den Münchner Fans feiern und deutet auf der Strafbank mit einer eindeutigen Geste an, dass er Plachta „schlafen gelegt“ hat – wie widerwärtig!

Jackson gibt kein gutes Bild ab

Es gibt in dieser Gemengelage noch zwei weitere klare Verlierer. Münchens Coach Don Jackson hätte sich deutlich gegen seinen Spieler positionieren müssen. Schon während der Partie, als sich der Ausraster andeutete, hätte er einschreiten und Pinizzotto bremsen können: Ein Trainer ist nicht nur für die richtige Taktik, sondern auch für das Auftreten seiner Truppe verantwortlich!

Diese Fürsorgepflicht haben auch die Schiedsrichter vernachlässigt. An dieser Stelle haben wir die Referees oft verteidigt, weil sie einen verdammt schweren Job haben. Dass Pinizzotto für sein Einsteigen ohne Strafe blieb und nur wegen des Gerangels mit David Wolf zwei Minuten aufgebrummt bekam, ist aber nicht nachvollziehbar. Der Referee, der zwei Meter daneben stand, freie Sicht und die Aktion im Blick hatte, darf in den Play-offs nicht mehr eingesetzt werden.

Zum Thema