Kommentar

Einfach nur blamabel

Thorsten Hof zum umstrittenen Tour-Start von Chris Froome

Auf dem Papier scheint die Sache klar: „Kein Doping“, sagt die Weltdoping-Agentur WADA, der Radsport-Weltverband UCI verzichtete demnach auf eine Sperre für Chris Froome, der deshalb bei der Tour de Fance starten darf. Ganz davon abgesehen, dass die um ein vielfaches erhöhten Salbutamol-Werte nun mit Dehydrierung, einer Nierenfehlfunktion und dem aus medizinischer Sicht erlaubten Einsatz eines Asthmamittels überaus zweifelhaft erklärt wurden, ist vor allem der zeitliche Ablauf des Verfahrens ein Skandal.

Dass die Doping-Jäger wie auch die UCI neun Monate (!) für diese Entscheidung benötigten und sich erst zu einer Entscheidung durchringen konnten, als der Tour-Veranstalter dem Briten ein Startverbot erteilte, wirft einmal mehr ein schlechtes Licht auf die Szene und ihren Umgang mit prominenten Verdachtsfällen.

Schutzsperre wäre richtig

Schon Froomes Start beim Giro d’Italia, den er mit einer übermenschlichen Fahrt auf der 19. Etappe der Landesrundfahrt dann auch noch gewann, war ein Hohn für alle, die sich im Peloton selbst oder im Umfeld für einen sauberen Sport einsetzen. Richtig wäre es gewesen, Froome mit einer Schutzsperre zu versehen und ihm eine Frist zu setzen, den Sachverhalt aufzuklären. Ihn aber munter weiter radeln zu lassen und das Thema auszusitzen zu wollen, ist blamabel. Ausbaden müssen es nun die Tour-Organisatoren, die im Gegensatz zu den Giro-Machern, den Mut hatten, Froome die Rote Karte zu zeigen. Auf ihrem Rennen liegt damit erneut ein großer Schatten.

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