Kommentar

Eingestürzte Kathedrale

Alexander Müller zur Situation beim FC Bayern

Die Bayern-Fanseite FCBlogin fand nach dem mühsamen 2:0-Erfolg gegen AEK Athen salbungsvolle Worte für den rasanten Abwärtstrend beim Rekordmeister: „Die Kathedrale, die Pep erschaffen hat, verfällt vor unser aller Augen. Und es ist kein Meister da, der eine neue baut.“

Von der fußballerischen Grandezza der letztlich ungekrönten Guardiola-Jahre ist der FC Bayern im Herbst 2018 so weit entfernt wie die Säbener Straße vom Mars. Die Mischung, die sich in München zusammengebraut hat, sieht ganz gewaltig danach aus, dass die Krise erst am Anfang steht: Ein Kader, in dem der Wohlklang der Namen längst nicht mehr im Einklang mit deren verbliebenem Leistungsvermögen steht, trifft auf einen Trainer, dem die natürliche Autorität einer von Titel gepflasterten Karriere fehlt.

Man mag die Aufregung um Lisa Müllers Internet-Attacke gegen Niko Kovac mit gutem Recht für übertrieben halten, aber: Glaubt ernsthaft jemand, die Frau von Thomas Müller hätte sich so etwas bei Guardiola oder Jupp Heynckes erlaubt?

Kovac kann einem fast leidtun. Der Kroate ist ein großes Trainer-Talent, das aber unter den aktuellen Münchner Gegebenheiten zerrieben zu werden droht. Die personelle Zusammenstellung der Mannschaft konnte Kovac nur punktuell mitbestimmen, die Formkrisen früherer Leistungsträger wie Jerome Boateng oder Müller hat er geerbt.

Schuldige in der Chefetage

Die Schuldigen für die Probleme sitzen eine Etage höher: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß haben den richtigen Zeitpunkt für einen konsequenten Umbruch verpasst, halten aber immer noch an der längst lachhaften Zielsetzung Champions-League-Sieg fest. Ihre schon jetzt legendär-peinliche Medienschelte-Pressekonferenz hat den letzten Beweis erbracht, dass der FC Bayern auch an seiner Spitze dringend personelle Erneuerung benötigt.