Kommentar

Einschnitt für die Region

Konstantin Groß zum Rückzug von Gerhard Kleinböck

Gerhard Kleinböck verzichtet auf eine erneute Kandidatur für den Landtag – die Nachricht von Mittwoch war ein echter Paukenschlag. Mit Recht. Denn die Entscheidung ist ein tiefer Einschnitt – natürlich vornehmlich für ihn selbst, aber auch für seine Partei und sogar für die Region.

Kleinböcks Entschluss markiert die Fortsetzung einer Entwicklung, die in den zurückliegenden Monaten in den Parteien bereits erfolgt ist: Langjährige Mandatsträger der Region treten von sich aus ab – Karl A. Lamers (69, CDU/Bundestag), Lothar Binding (70, SPD/Bundestag) und nun Gerhard Kleinböck.

Man mag dies als überfälligen Generationswechsel bejubeln. Man kann aber auch einen Verlust an Lebenserfahrung in der Politik bedauern – und an Persönlichkeiten, denen man vertrauen konnte. Was in so unsicheren Zeiten wie den heutigen manchem Wähler wichtiger ist denn je.

Das Los des Favoriten

Insofern bleibt es spannend, wie die SPD die Nachfolge regelt. Sebastian Cuny gilt als gesetzt. Seit zehn Jahren ist er Kleinböcks Ersatzmann, der sich in Schriesheim seit frühester Jugend für seine Partei die Hacken abrennt. Doch mit der Dankbarkeit ist das so eine Sache bei den Sozialdemokraten. Hier gilt das Bonmot: Bei der SPD und auf hoher See ist man allein in Gottes Hand.

Wenn Cuny nominiert wird, hat das übrigens Folgen für die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt. Bei der Bürgermeisterwahl 2021 steht er dann nicht als Kandidat zur Verfügung – wenn er in den Landtag einzieht nicht, und wenn er scheitert, erst recht nicht.

Doch mit der Nominierung Cunys ginge für ihn und die Partei die Arbeit erst los. Mit wenig guten Aussichten: Das Direktmandat ist, erst recht angesichts der Lage, unerreichbar, ein Sitz über die Zweitauszählung alleine realistisch. Doch die SPD in Mannheim-Land ist ja Kummer gewohnt. Ein halbes Jahrhundert saß die CDU ihr vor der Nase, seit einigen Jahren nun die Grünen.

Apropos: Wie sich die Sache dort entwickelt, das wird spannend. Ihr Abgeordneter Uli Sckerl ist 69 – so alt wie Karl Lamers und zwei Jahre älter als Kleinböck.