Kommentar

Elend in Gaza beenden

Archivartikel

Inge Günther über die Massenproteste der Palästinenser – und die Frage, wie die Gewaltspirale durchbrochen werden kann

 

So wie es ist, kann es nicht bleiben. Die Lage im Elendsstreifen namens Gaza ist für die zwei Millionen palästinensischen Bewohner schon lange kaum noch auszuhalten. Seit einem Jahr haben sich die Mangelzustände dort derart verschärft, dass der Vergleich mit einer humanitären Katastrophe angebracht ist. Eine zudem, für die nicht die Natur, sondern die Politik verantwortlich ist.

Nicht nur Israels Regierung, auch Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat seinen Anteil daran, dass in Gaza alles knapp ist. Sauberes Trinkwasser genauso wie Strom. Es fehlt an bezahlter Arbeit und vor allem an Zukunftsperspektiven. Nichts davon ist neu. In UN-Berichten wird schon länger gewarnt, dass Gaza im Jahr 2020 unbewohnbar zu werden droht. Die gewalttätigen Zusammenstöße vom Karfreitag haben das Problem wieder in den Fokus gerückt.

Aufrufe an beide Seiten, sich zu mäßigen, helfen da nicht weiter. Konkrete Projekte wie der Bau eines Seehafens, funktionierende Klärwerke, womöglich die Installation von Solaranlagen zur Stromgewinnung wären ein echter Beitrag zur Deeskalation. Die rigide Blockade muss enden, damit die Menschen in Gaza nicht jede Hoffnung verlieren.

Solche Abhilfe ist dringlicher als die von Israel bereits abgeschmetterte Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung jenes „schwarzen Freitag“, der für etliche Palästinenser tödlich endete. Kritische Nachfragen sind dennoch geboten, warum die israelische Armee hundert Scharfschützen einsetzte, um die Massenproteste in Schach zu halten. Auch wenn Rädelsführer aus der friedlichen Menge vorpreschten, lässt sich damit noch nicht die blutige Bilanz von über 500 schussverletzten Demonstranten rechtfertigen.

Die Hamas wird die „Märtyrer“ benutzen, um für die nächsten Freitagsproteste am Grenzzaun zu mobilisieren. Für sie ist es schon ein Erfolg, auf diese Weise ein riesiges Truppenkontingent zu binden. Eines, das womöglich den Israelis im Norden des Landes, hin zum Libanon und zu Syrien, fehlen wird, wo täglich mit bösen Überraschungen zu rechnen ist.

Entsprechend nervös ist Israels Generalstab. Gegen Raketen aus Gaza hilft der Abwehrschirm „Eisendom“. Gegen die Angriffstunnel baut die Armee derzeit einen unterirdischen Wall. Aber gegen einen Ansturm verzweifelter Massen gibt es kein cleveres Patentrezept. Noch ein Grund mehr, den Palästinensern in Gaza endlich ein menschenwürdiges Leben zu erlauben.

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