Kommentar

Ende einer Ära

Archivartikel

Marc Stevermüer zum CL-Aus von Real Madrid

Es war mehr als nur das übliche Bild von Gewinnern und Verlierern. An diesem 5. März 2019 passierte im Santiago Bernabéu etwas Historisches. Als die Stars von Real Madrid frustriert vom Feld schlichen, endete für sie nicht nur ein Spiel, sondern eine Ära, von der man schon jetzt weiß, dass sie mit drei Champions-League-Titeln in drei Jahren in die Geschichtsbücher eingeht.

Klar ist aber auch: Das Real Madrid 2019 hat nichts mehr mit dem Real Madrid der vergangenen Jahre zu tun. Das liegt zunächst einmal daran, dass diese fleischgewordene Tormaschine Cristiano Ronaldo nicht mehr da ist. Mindestens genauso schlimm wiegt für den Club aber, dass er keinen geeigneten Nachfolger für den zurückgetretenen Trainer Zinédine Zidane fand. Der Anteil des Franzosen am Erfolg wurde bisweilen kleingeredet. Mit solch einer Mannschaft müsse man eben ganz oben stehen, hieß es. Doch so einfach war es dann doch nicht, zumal Zidane vor allem eines gelang: defensive Stabilität. Und dafür tat ein gewisser Ronaldo bekanntermaßen nichts.

Allerdings dürfte der Trainer bei seinem Rücktritt auch wohlweislich erkannt haben, dass diese Mannschaft ihre beste Zeit vermutlich schon hinter sich hat. Taktgeber Luka Modric ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Marcelo, einst einer der besten Linksverteidiger der Welt, hat längst seinen Stammplatz verloren. Und Toni Kroos präsentiert sich seit Monaten in einer derart miesen Verfassung, dass sich die Frage stellt: Ist er der nächste Weltmeister von 2014, der bald einen Besuch von Bundestrainer Joachim Löw erhält?

Teure Erneuerung

Klar ist: Real benötigt einen Umbruch, was nicht mehr so einfach wie vor ein paar Jahren ist, als sich der Club einfach die Galaktischen zusammenkaufte. Denn mindestens genauso viel Geld gibt es mittlerweile in England zu verdienen, wo man ziemlich sicher auch bald ein paar der jungen Ajax-Wilden sehen wird. Mit herzerfrischendem Offensivfußball zerlegten die Niederländer den Champion und wirbeln den Wettbewerb durcheinander, der durch die Dominanz der immer gleichen Mannschaften durchaus etwas Langweiliges an sich hat.

Doch jetzt gibt es da diese aufregende Truppe aus Amsterdam, die Erinnerungen an die 90er Jahre weckt, als Ajax mit den damals jungen Edgar Davids, Patrick Kluivert oder Clarence Seedorf die Königsklasse gewann. Allesamt spielten diese Hochbegabten später bei den absoluten Topvereinen in Europa, ähnlich dürfte es diesmal kommen. Sprich: Auch bei Ajax steht ein Neuaufbau an. Anders als Real präsentierte Amsterdam am Dienstag aber nicht die großen Gesichter der Vergangenheit des europäischen Fußballs, sondern die der Zukunft.